Nivedita Prasad

Filmclips

Nivedita Prasad

Kindheit und Jugend

Nivedita Prasad kommt 1967 in der südindischen Großstadt Chennai (damals Madras) als Tochter einer wohlhabenden Oberschichtsfamilie zur Welt. Ihre Mutter ist Hausfrau, der Vater Personalleiter beim Elektronikhersteller Philips. Prasad ist noch jung, als sich ihre Eltern trennen und ihre Mutter gemeinsam mit ihr zu den Großeltern aufs Dorf zieht. Da es vor Ort keine Schule gibt, wird Nivedita auf ein Internat geschickt um eine standesgemäße Ausbildung zu erhalten. Es war klar, Bildung ist das ein und allesOral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 0:03:15., erzählt sie.

1975 heiratet Niveditas Mutter einen indischen Mann, der in West-Berlin lebt und zieht zu ihm. Die Tochter kommt 1981 nach. Der Wechsel vom Internat auf eine Charlottenburger Schule hat es in sich, erinnert sich Prasad: Ich kam am ersten Tag mit so einem Seidenblüschen und Bundfaltenhöschen – also meine Eltern stramme FDP’ler, so sah ich auch aus – […] in eine Berliner Realschule und war geschockt.Oral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 0:11:30. Sie irritiert das niedrige schulische Niveau und die kaum vorhandene Disziplin im Klassenzimmer. Dazu kommt das, was sie erst später als Rassismus erkennt: Eins der ersten Wörter, die ich in der Schule lernte, war […] ein sehr herablassendes Wort, das gegen Migrant*innen genutzt wird.Oikonomakou, Katerina: Nivedita Prasad – What saved me was my class arrogance, berlininterviews.com, 04.05.2014, [Zugriff am 17.04.2020 unter http://berlininterviews.com/?p=1161, Übersetzung: fm ] Einzelne Mitschüler*innen bespucken sie während des Unterrichts und bewerfen sie mit Gegenständen. Rückblickend sagt Prasad: Ich bin überzeugt, dass mich mein Standesdünkel gerettet hat.Oikonomakou, Katerina: Nivedita Prasad – What saved me was my class arrogance, berlininterviews.com, 04.05.2014, [Zugriff am 17.04.2020 unter http://berlininterviews.com/?p=1161, Übersetzung: fm ] Als einzige ihrer Klasse schließt sie nach der Realschule das Abitur ab.

Am Gymnasium wird aus der strebsamen Schülerin eine aufmüpfige Jugendliche. Die Oberstufe empfindet sie als ZumutungOral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 0:14:30. auf dem Weg zum ersehnten Sozialpädagogik-Studium. Auch zu Hause eckt die Teenagerin immer mehr an. Zufällig findet sie eines Tages heraus, dass ihre Eltern planen, sie aufgrund der vielen Auseinandersetzungen nach Indien zurückzuschicken – ein Vertrauensbruch, der weitreichende Konsequenzen hat. Kurz vor ihrem 16. Geburtstag zieht Nivedita Prasad in ein Mädchenheim und erstreitet vor Gericht die Übertragung des Sorgerechts ans Jugendamt.Oikonomakou, Katerina: Nivedita Prasad – What saved me was my class arrogance, berlininterviews.com, 04.05.2014, [ Zugriff am 17.04.2020 unter http://berlininterviews.com/?p=1161, Übersetzung: fm ] So kann sie ohne elterliches Einverständnis in Berlin bleiben. Da ihr Visum an das der Familie geknüpft ist, befindet sie sich nach dem Bruch jedoch in einer aufenthaltsrechtlichen Grauzone. Bis zu ihrem Studium ist sie nur „ausländerrechtlich erfasst“, danach „geduldet“. Später erhält sie eine „befristete Aufenthaltsgenehmigung“, die erst 1994 entfristet wird.

Nivedita Prasad

Studium und feministische Selbstorganisation

Ab 1987 studiert Nivedita Prasad Sozialpädagogik, Psychologie und Soziologie an der Freien Universität Berlin. Nachdem sie bereits in der Schule Texte von Schwarzen Feministinnen gelesen, die EMMA entdeckt und als uninteressant verworfen hatte, trifft sie in einem Soziologieseminar auf Barbara Kavemann. Da saß wirklich eine kluge, flotte, schnelldenkende, fluffige Frau, die Feministin warOral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 0:22:30., erinnert sich Prasad. Und dann habe ich gedacht: Okay, dann geht es vielleicht doch.Oral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 0:22:30. Nicht alle Seminare erlauben der Studentin einen derartig positiven Bezug. (Auch feministische) Dozent*innen exotisieren sie und es bleibt eine Leerstelle, die nicht nur Prasad empört: dass Migrantinnen oder Women of Color überhaupt nicht vorkamen außer als Opfer. […] Als Denkerinnen kamen wir nicht vor, als Professorinnen damals sowieso gar nicht, aber auch nicht als Schreibende.Oral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 0:23:44.

Schließlich gründen Kommilitoninnen of Colour, Schwarze, jüdische und migrierte Frauen eine eigene Gruppe, die gemeinsam feministische Veranstaltungen besucht. Prasad ist mit dabei. Wir hatten aber weiterhin das Gefühl, immer in der Minderheit zu sein, Exotinnen zu sein, und mussten uns immer wieder von der Opferebene hocharbeiten. Dann haben wir beschlossen – es war Bremer Frauenwoche, da hat es tierisch geknallt […] – wir machen unsere eigene Konferenz.Zu anderen machen – über Rassismus, Integration und Schwarzen Feminismus – Nivedita Prasad im Gespräch mit Urmila Goel, in: Goel, Urmila / Punnamparambil, Jose / Punnamparambil-Wolf, Nisa (Hg.): InderKinder – über das Aufwachsen und Leben in Deutschland, Heidelberg 2012, hier: S. 189. Die Gruppe initiiert 1990 die Bündnistagung „Frauentagung von und für ethnische und afrodeutsche Minderheiten“ in Bremen. Im Folgejahr gehört Prasad zu den Organisator*innen des „Zweiten bundesweiten Kongress von und für Imigrantinnen, Schwarze deutsche, jüdische und um Exil lebende Frauen“ in Berlin. Durch die Konferenzen eröffnen sich der jungen Frau neue Perspektiven: Ich bin nachhause und dachte: ‚Oh, war das gut.‘ […] Ich hatte durchaus manchmal das Gefühl bestimmte Themen gehen in der weißen Frauenbewegung, aber nur ohne die Rassismus-Folie und in der Anti-Rassismus-Bewegung geht vieles, aber ohne die Feminismus-Folie. Und da ging zum ersten Mal beides.Oral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 0:44:00.

Die Aufbruchsstimmung der Bündnistagungen steht im starken Kontrast zum gesellschaftlichen Diskurs der Zeit. Die Maueröffnung im November 1989 verändert Berlin. Für Prasad beginnen die besonders einschneidenden Erlebnisse jedoch mit den Pogromen in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen sowie den rassistisch motivierten Mordanschlägen in Mölln und Solingen: Da habe ich […] ernsthaft Angst gekriegt, weil ich nicht gedacht hätte, dass das möglich ist, […] dass Menschen ein Haus anzünden und die Polizei nichts macht und das alle anderen klatschen.Oral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 0:34:00. Kurzzeitig überlegt Prasad, in die USA zu emigrieren. Doch sie bleibt. In der Zeit werden ihr die politischen Gruppen, in denen sich seit Maueröffnung auch immer mehr Frauen of Colour und migrierte Frauen aus der DDR sammeln, umso wichtiger.Vgl. Die Mauer ist uns auf den Kopf gefallen – Women of Color und ihre Perspektiven auf den Mauerfall, Regie: Diane Izabiliza und Iman Al-Nassre, Kamera: Elif Kücük, Schnitt: Isabel Alvarez, 40 Minuten, 2018, [ Zugriff am 15.09.2020 unter vimeo.com/339490385 ]

Nivedita Prasad

Arbeit im Autonomen Mädchenhaus

1992 beginnt Nivedita Prasad im Autonomen Mädchenhaus vgl. Bestand „Autonomes Mädchenhaus“ im FFBIZ, Signatur: A Rep. 400 Berlin 20.22.7, einem Ort für junge Frauen, die sich vor Missbrauch und sexueller Gewalt schützen möchten, zu arbeiten. Für Prasad ist die Stelle vor allem biographisch wichtig: Als ich von Zuhause abgehauen bin, bin ich ja in ein Heim gegangen […] ich wollte tatsächlich gerne noch mal gucken, wie ist es eigentlich auf der anderen Seite.Oral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 0:49:34. Nachdem sie ihr Studium 1993 mit einer Arbeit über „Feministische Sozialarbeit mit Immigrantinnen“ abgeschlossen hat, steigt sie voll ein. Prasad sieht den Unterschied zwischen den eigenen Heimerfahrungen und dem feministischen Ansatz im Mädchenhaus in der Sensibilisierung der jungen Frauen für Sexismus und die parteiische Position der Sozialarbeiterinnen: Es war wichtig, dass die Mädchen die Kontrolle über das haben, was jetzt geschah und das haben wir gemacht. […] Mit den Mädchen rauszufinden, was sind die Gründe, warum sind sie abgehauen, was brauchen sie für eine Unterstützung, […] wie wollen sie künftig leben.Oral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 0:51:30. Neben der Arbeit im Mädchenhaus gibt Prasad Hochschulseminare in Deutschland, Österreich und den Niederlanden zu interkultureller Mädchenarbeit, Gewalt gegen Frauen und genderspezifischer Sozialer Arbeit.

Nivedita Prasad

Mutterschaft

1996 bringt Nivedita Prasad eine Tochter zur Welt – und trennt sich wenige Monate später von deren Vater. Zum ersten Mal geht sie keiner Erwerbsarbeit nach, ist abends zu Hause und wenig mobil. Ganz wohl fühlt sie sich damit zunächst nicht: Genau zwei Monate [nach der Geburt] habe ich den Lehrauftrag wieder angefangen mit Kind am Bauch geschnallt. Wo ich heute denke, das war völlig bescheuert, aber es war meine Panik. Ich hatte wirklich Angst den Anschluss zu verpassen.Oral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 1:03:30. Zu den beruflichen Bedenken kommen finanzielle Unsicherheiten, da der Kindsvater den Unterhalt schuldig bleibt. Dafür teilt sie neben der Freude über das Baby auch einen Teil der Sorgearbeit mit Freund*innen, aus denen eine soziale Familie zusammenwächst. Das erste Jahr erinnere ich als eine große Mischung von absoluter Rührung – also ich war wirklich ganz entzückt von meinem Kind […] – und von der Anstrengung, die es bedeutet hat, sie allein großzuziehenOral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 1:02:30., resümiert Prasad ihren Start in das Leben mit ihrer Tochter.

Nivedita Prasad

Arbeit bei Ban Ying

Der Wiedereinstieg in den Beruf wird zum Umstieg. 1997 übernimmt Nivedita Prasad die Projektkoordination von Ban Ying, einer Beratungsstelle für Frauen, die Opfer von Menschenhandel und Zwangsarbeit geworden sind. Polizeifortbildungen werden einer ihrer Schwerpunkte. Die Arbeit beanspruchte sie sehr, erinnert sich Prasad, besonders mental: Die ersten Jahre war ich nach der Polizeifortbildung immer krank, weil das wirklich so roh war. Also der Rassismus, der Sexismus, der Klassismus, der einem da entgegenschwappte war so ungetrübt.Oral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 1:15:30. Bei Ban Ying habe sie zudem zum ersten Mal wahrgenommen, dass es Menschen gibt, die in Deutschland nicht einmal das Recht auf Rechte haben.Oral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 1:17:45.

Eine Gruppe, die besonders von dieser Leerstelle betroffen ist, sind Hausangestellte von Diplomat*innen. Ihr Aufenthaltsstatus ist an diesen einen Diplomaten geknüpft. Also in dem Moment, wo sie ihn verlassen, müssen sie auch das Land verlassenWir haben keine physischen Ketten mehr, aber das Aufenthaltsgesetz – Nivedita Prasad im Interview, Deutschlandradio 08.03.2012 [Zugriff am 05.05.2020 unter deutschlandfunkkultur.de/wir-haben-keine-physischen-ketten-mehr-aber-das.954.de.html ], beschreibt Prasad die Situation. Wir haben das Aufenthaltsgesetz, wir brauchen keine physischen Ketten.Wir haben keine physischen Ketten mehr, aber das Aufenthaltsgesetz – Nivedita Prasad im Interview, Deutschlandradio 08.03.2012, [Zugriff am 05.05.2020 unter deutschlandfunkkultur.de/wir-haben-keine-physischen-ketten-mehr-aber-das.954.de.html ] Anfang der 2000er Jahre berät die Sozialarbeiterin zum ersten Mal eine Hausangestellte, die von ihrer Arbeitgeberin ausgebeutet und misshandelt wird. Da die deutsche Rechtsprechung aufgrund der diplomatischen Immunität der Täterin nicht greift, nutzt sie die Menschenrechte als politischen Hebel und reicht bei den Vereinten Nationen Beschwerde ein. Binnen weniger Tage erfüllt das Auswärtige Amt einen Großteil der Forderungen. Mit einem ähnlichen Fall gelingt es dem Team um Prasad fünf Jahre später, die Aufmerksamkeit der internationalen Presse zu erregen. Binnen Kürze erreichen sie eine Einigung mit der zuständigen Botschaft und eine Zahlung an die Arbeiterin.Vgl. Schwab, Waltraud: Botschaft entschädigt Sklavin, taz, 30.01.2008, [ Zugriff am 17.04.2020 unter taz.de/Ausbeutung-bei-Diplomaten-in-Berlin/!5187494 ]

Neben den Einzellösungen interessieren die Sozialarbeiterin auch strukturelle Verbesserungen. Das Projekt „Zwangsarbeit heute“ des Instituts für Menschenrechte bietet ihr die Möglichkeit, einen neuen Ansatz zu testen: strategische Prozessführung. Das Ban Ying Team zieht 2011 mit einer Hausangestellten vor Gericht um ihren Fall im Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte vorzubringen.Vgl. Afanasjew, Nik: Misshandlung unter dem Deckmantel diplomatischer Immunität, Tagesspiegel, 30.06.2011 [ Zugriff am 17.04.2020 unter tagesspiegel.de/politik/menschenrechte-misshandlung-unter-dem-deckmantel-diplomatischer-immunitaet/4330160.html ]
Irgendwann wird das Bundesverfassungsgericht entscheiden müssen – Interview mit Dr. Klaus Bertelsmann, Dr. Jürgen Kühling, Legal Tribune Online, 24.08.2012 [ Zugriff am 17.04.2020 unter lto.de/recht/hintergruende/h/grundsatzurteil-zur-immunitaet-von-diplomaten-verhindert ]
Um zu dem obersten Gremium zu gelangen, muss sie in den Vorinstanzen verlieren: In der ersten Instanz haben wir verloren – wir haben gefeiert. In der zweiten Instanz haben wir verloren – wir haben gefeiertOral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 1:27:00., erzählt Prasad. In der dritten Instanz haben wir leider gewonnen.Oral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 1:27:00. Das strategische Verfahren scheiterte am Erfolg der Klägerin. Prasad bleibt indes von der Strategie überzeugt und gibt 2020 einen Sammelband mit 20 wegweisenden Fallbeispielen heraus.

Nivedita Prasad

Wissenschaft und Aktivismus

Im Jahr 2008 schließt Nivedita Prasad ihre Promotion über die Gefahr der Instrumentalisierung von Gewalt gegen Migrantinnen im Kontext von Migrationsbeschränkung ab.Vgl. Prasad, Nivedita: Gewalt gegen Migrantinnen und die Gefahr ihrer Instrumentalisierung im Kontext von Migrationsbeschränkung – Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession mit ethischer Verantwortung, Kumulative Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Dr. phil. an der Fakultät I der Universität Oldenburg, 2008. In der Arbeit analysiert sie Fallbeispiele, in denen Gesetzgeber*innen die Ausgrenzung von Migrant*innen und die Stärkung von Grenzregimen mit der Wahrung der Frauenrechte rechtfertigen – und dabei durch feministische Organisationen gestützt werden. Im Jahr 2010 übernimmt sie die Leitung des Studiengangs „Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession“ der an drei Hochschulen der Sozialen Arbeit angesiedelt ist. Drei Jahre später wird sie an der Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH) zur Professorin für Handlungsmethoden Sozialer Arbeit und genderspezifische Soziale Arbeit berufen.

Auch an der Hochschule möchte Prasad das politische und das feministische Mandat der Sozialen Arbeit sichtbar machen.Oral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 1:49:15. Mit den Studierenden diskutiert sie Gewalt gegen Frauen, Rassismus und Menschenrechte. Dabei legt Prasad besonderen Wert auf die Vermittlung politischer Strategien: Öffentlichkeitsarbeit, Lobbyarbeit, strategische Prozessführung, Whistle Blowing. Also diese Methoden, die man braucht um strukturelle Lücken sichtbar zu machen.Oral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 2:02:00.

2010 wird Prasad mit dem Anne Klein-Preis der Heinrich Böll Stiftung ausgezeichnet. Da das Preisgeld zwar für einige strategische Prozesse, jedoch nicht für den ursprünglich geplanten Rechtshilfefond für den Bereich „Gewalt gegen Frauen“ nach österreichischem VorbildPrasad, Nivedita: Gewalt gegen Frauen als Menschenrechtsverletzungen in Deutschland – Vortrag beim Neujahrsempfang der Überparteilichen Fraueninitiative, Berlin, 26.02.2014, [ Zugriff am 05.05.2020 unter berlin-stadtderfrauen.de/erste-impressionen-vom-neujahrsempfang-2014 ] ausreicht, finanziert die Heinrich Böll-Stiftung ein anderes Herzensprojekt. 2013 findet mit der FemoCo eine neue Bündniskonferenz statt. Das Ergebnis: ein KlassentreffenOral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 1:52:45. mit älteren und jungen Aktivist*innen. Prasad beeindrucken die jungen, besonders die muslimischen Feminist*innen: Da waren teilweise so junge, so klar feministisch und antirassistisch positionierte Frauen, wo ich dachte: ‚Oh wow!‘Oral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 1:53:15., erinnert sie sich. Das sind Frauen, für die ist all das, was wir erzählen, kalter Kaffee. Die sind damit groß geworden, haben die Bücher gelesen, die wir geschrieben haben usw.Oral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 1:53:15.

Im selben Jahr beginnt Prasad ein neues aktivistisches Projekt, als Geflüchtete in einer Unterkunft nahe des Hochschulcampus von Rechtsradikalen bedroht werden. Mit anderen Kolleg*innen verlegt sie einen Teil ihrer Kurse in das Haus und plant dort mit Studierenden ein Gewaltschutzkonzept, ein Monitoring sowie den Aufbau eines Beschwerdemanagements um den Betreiber zu kontrollieren.Oral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 2:04:45. Vor allem es geht ihr darum, dass die Geflüchteten nicht alleine sind in dieser sehr schwierigen GegendOral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 2:03:10., so Prasad. Wenn sie dafür wieder die Grenzen zwischen Theorie und Praxis, Ausbildung und Aktivismus übertritt, ist das politischer Stil und didaktischer Ansatz zugleich: Ich finde, dass die Studierenden so viel mehr lernen, als wenn ich klassische Buchseminare machen würde.Oral History-Interview Prasad, Zeitcode ca. 2:05:00.

Text
Friederike Mehl
Stand
10. November 2020